Manche Themen lassen sich nicht ohne Weiteres einordnen. Eine Reaktion fällt stärker aus, als es die Situation erwarten ließe. In Beziehungen begegnet Ihnen etwas merkwürdig Vertrautes. Eine Entscheidung fällt schwer, obwohl die Richtung längst erkennbar scheint. Oder es bleibt dieses schwer zu greifende Gefühl, dass etwas nicht ganz zusammenpasst.
Nicht alles, was uns heute beschäftigt, lässt sich allein aus der Gegenwart heraus verstehen. Frühere Lebensphasen, familiäre Erfahrungen und prägende Ereignisse können ebenso eine Rolle spielen wie historische und gesellschaftliche Umbrüche oder Erfahrungen, die über Generationen hinweg weitergetragen wurden.
Meine Arbeit verbindet psychogenealogische und systemische Ansätze. In der psychogenealogischen Arbeit richtet sich der Blick auf die eigene Lebensgeschichte, familiäre Linien, prägende Ereignisse und wiederkehrende Themen über mehrere Generationen hinweg. Im Genosoziogramm werden diese Informationen zueinander in Beziehung gesetzt. Dabei können zeitliche Parallelen, Brüche oder bislang unbeachtete Verbindungen hervortreten.
Mitunter gewinnt dabei eine Jahreszahl, ein Name oder ein lange zurückliegendes Ereignis eine Bedeutung, die zuvor nicht erkennbar war. Manches fügt sich neu zusammen, anderes widerspricht einer ersten Vermutung und verändert die bisherige Einordnung.
Was sich auf diesem Weg zeigt, wird in der systemischen Arbeit weitergeführt. Dabei kann deutlicher werden, was übernommen wurde, wo etwas seinen Anfang nahm und was neu betrachtet werden sollte. Auf diese Weise können sich Verbindungen verändern und in ihrer Bedeutung anders erfahrbar werden. Entscheidend ist nicht allein, was einmal war, sondern welche Bedeutung es für das heutige Leben hat, was sich daraus neu verstehen lässt und welche Möglichkeiten sich für den weiteren Weg eröffnen.
Beide Arbeitsweisen greifen ineinander: Was sich psychogenealogisch abzeichnet, kann systemisch vertieft, räumlich erfahren und neu geordnet werden.